Die Geschichte des Euro und die europäische Integration

Besonders die zwei Weltkriege im letzten Jahrhundert haben in Europa die Erkenntnis reifen lassen, dass souveräne Nationalstaaten in Europa nicht in der lage sind, zwischenstaatliche Konflikte zu lösen. So bestanden schon während des Zweiten Weltkrieges Pläne für eine Neuordnung Europas und somit Forderungen, dass der Aufbau Europas nicht die einfache Wiederherstellung der alten staatlichen Strukturen bedeuten dürfe. Durch gemeinsame Institutionen sollte ein Rahmen geschaffen werden, der den Frieden sichert. Konflikte sollte in Zukunft durch Diskussion, Vereinbarungen und Mehrheitsentscheid gelöst werden. Wirtschaftlich sollte die Vereinigung Europas durch die Abschaffung der Grenzen und der damit verbundenen Kontrollen eine enorme Einsparung der Kosten zur Folge haben, die wiederum dem Verbraucher zugute kommen sollte. Auch sollte ihm zugute kommen, dass europaweit Waren und Dienstleistungen in Konkurrenz treten müssten, so dass durch dieses größere Angebot die Preise sänken.

Den Grundpfeiler für die europäische Einigung stellte der 1951 von der Bundesrepublik, Frankreich, Belgien, den Niederlande, Luxemburg und Italien unterzeichnete "Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl" dar, der als Montanunion bekannt wurde. Die Vertragspartner entschlossen sich trotz einiger Rückschläge 1957 zur Unterzeichnung der "Römischen Verträge" und weiter zur Gründung der "Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft" (EWG), die sie Integration Europas zunächst einmal auf wirtschaftlichem Gebiet beschleunigen sollte. Damit waren die Mitgliedstaaten auf wirtschaftlichem Gebiet füreinander kein Ausland mehr, wobei die Währungen in ein festes System eingebunden wurden, wodurch große Kursschwankungen vermieden werden sollten. 1967 vereinigten sich Montanunion, EWG und EURATOM, die die friedliche Nutzung der Atomenergie koordinieren und vorantreiben sollte, zur "Europäischen Gemeinschaft", der 1973 Großbritannien, Irland und Dänemark beitraten. ‘

1970 wurde eine Vereinbarung getroffen, eine Wirtschafts- und Währungsunion einzuführen, mit dem Ziel einer gemeinsamen Währung für die Mitgliedstaaten. Hiermit wurde der Grundstein für die Schaffung des Euro gelegt. 
Europäisches Parlament, Ministerrat und Europäische Kommission wurden zu den wichtigsten Institutionen, wobei die erste direkte Wahl zum Europäischen Parlament 1979 durchgeführt wurde. Auch wenn das Europäische Parlament durch die Direktwahl nicht mehr Macht erhielt, waren Wahlkampf und anschließende Wahl ein wichtiger Beitrag zur europäisschen Bewusstseinsbildung bei den Bürgern der Mitgliedstaaten. Im gleichen Jahr wurde der ECU eingeführt, der seitdem als Verrechnungseinheit innerhalb des europäischen Währungssystems galt. Durch ihn sollte eine Zone mit wetestgehend stabiler Währung entstehen.

Mit dem Beitritt Griechenlands, Spaniens und Portugals bestand die EG seit 1986 aus insgesamt zwölf Mietgliedern. 1987 trat die "Einheitliche Europäische Akte" in Kraft, in der zum ersten Mal die Schaffung einer politischen Union festgelegt wurde. Die von den Außenministern der Mitgliedstaaten 1986 unterzeichneten Vereinbarung hatte die Zielsetzung, durch ein Einigungsprogramm, das über Zollunion, gemeinsamen Binnenmarkt, Schaffung eines weiterentwickelten Europäischen Währungssytems und das Anstreben einer europäischen politischen Zusammenarbeit eine politische Union anzustreben.

1988 wurde ein Ausschuss ins Leben gerufen, der einen Bericht erstellte, nach dem eine gemeinsame Währung nach einem Dreistufenplan eingeführt werden sollte. Dieser Bericht wurde nach dem Vorsitzenden der Kommission, Jaques Delors Delors-Bericht genannt, und die erste Stufe, nämlich Liberalisierung des Kapitalverkehrs, engere wirtschaftspolitische Abstimmung der Regierungen, verstärkte Zusammenarbeit der Zentralbanken trat 1989 in Kraft.

Mit der zweiten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion wurde die Haushaltslage der Mitgliedsländer überwacht und das Europäische Währungsinstitut mit Sitz in Frankfurt eingerichtet, welches als Vorläufer der Europäischen Zentralbank gilt. Geldwertstabilität und Haushaltsdisziplin waren die gemeinsamen Ziele. 

Nachdem 1992 alle Mitgliedstaaten der EG 1992 die Maastrichter Verträge unterzeichneten, in denen die Bildung der "Europäischen Union" (EU) festgelegt wurde, fielen alle Grenzen zwischen den Mitgliedstaaten und den einzelnen Bürgern wurde durch den Wegfall der Grenzkontrollen der neue Binnenmarkt bewusst. Weiterhin sollte in drei Stufen das Europäische Währungssytem ausgebaut und die Außen-, Rechts-, Sicherheits-, Sozial- und Wirtschaftspolitik aufeinander abgestimmt werden. Aber nicht jedes Mitgliedsland sollte automatisch an der neuen Währungsunion teilnehmen dürfen. Dazu wurden Konvergenzkriterien festgelegt, die für die Teilnahme an der Währungsunion bindend waren. Die Inflationsrate durfte nur um 1,5 Prozentpunkte über der Rate der drei preisstabilsten Länder liegen. Das öffentliche Defizit durfte nicht mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen und der Schuldenstand durfte nicht mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen. Der Zinssatz für langfristige Kredite durfte nur zwei prozent über dem Zinssatz für Staatsanleihen der drei preisstabilsten Länder liegen.

Die jeweilige Währung musste mindestens zwei Jahre vor der Entscheidung des Europäischen Rates über den Teilnehmerkreis ohne Spannungen mit der normalen Bandbreite am Europäischen Währungssystem teilgenommen haben. 
Weiterhin sollte das Funktionieren der Währungsunion durch ein wirtschaftliches Überwachungsverfahren garantiert werden. Sanktionen und Geldbußen waren für den Fall vorgesehen, in dem die festgelegten Höchstgrenzen für das jährliche Defizit und den laufenden Schuldenstand überschritten wurden. 

1995 traten Österreich, Dänemark und Schweden der EU bei, wodurch die Bevölkerungszahl der EU auf über 300 Millionen anstieg.

Im Frühjahr 1998 einigten sich die Mitglieder der Europäischen Union auf die Einführung der Eurogeldmünzen und -scheine zum 01.01.2002. Hier wurde auch das Aussehen der neuen Euromünzen festgelgt. Doch bereits mit dem 01.01.1999 begann das Zeitalter des Euro, denn seit diesem Zeitpunkt existierte der Euro als virtuelle Währung im bargeldlosen Zahlungsverkehr, zumindest in elf der Mitgliedsländer. Auf der Tagung der Wirtschafts- und Finanzminister waren zuvor die Umtauschkurse der nationalen Währungen zum Euro unwiderruflich festgelegt worden. Im gleichen Jahr nahm auch die Europäische Zentralbank ihre Arbeit auf. 
Seit dem 01.01.2002 wurde der Euro entgültig zum Zahlungsmittel in zwölf Mitgliedsländern. In der ersten Jahreshälfte wurden sowohl nationale Währung als auch Euro als Zahlungsmittel anerkannt, und erst ab Juli 2002 galt der Euro als alleiniges Zahlungsmittel in den Ländern der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. 
Griechenland war seit 2001 ebenfalls nach erfüllten Konvergenzkriterien berechtigt, den Euro einzuführen, während die Dänen die Einführung abgelehnt hatten und Großbritannien als auch Schweden vorerst darauf verzichteten. Mit der Einführung des Euro in den zwölf Ländern entstand die zweitgrößte Wirtschaftszone der Welt, während die Integration Europas weiterhin zu stagnieren scheint. Mit dem weiteren Beitritt von weiteren Staaten hauptsächlich aus dem ehemaligen Ostblock werden die Probleme nicht kleiner. Einige Staaten möchten möglichst ihre Unabhängigkeit bewahren, während andere Angst haben, bei einer weiter voranschreitenden Integration von den großen Staaten beherrscht zu werden.

Seit der Einführung des Euro ist sein Wert nahezu unverändert und somit stabil und ein Großteil aller Europäer hat ein positive Haltung gegenüber dem Euro, da nicht  nur Preisvergleiche wesentlich einfacher geworden sind, sondern nach ihrer Meinung auch die Stellung Europas in der Welt durch den Euro gestärkt wurde.